mondmaerchen

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In alten Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat,

wünschte sich ein Mädchen den Mond.

 Der Mond stieg alsbald herab vom Himmel,

verwandelte sich in einen gutaussehenden jugen Mann

und trat vor das Mädchen.

"Hier bin ich", sagte der Mond,

" Dein Wusch ist erfüllt".

Das Mädchen aber glaubte dem Mond nicht.

 Leuchtend und strahlend war er da oben am Himmel gewesen,

und nicht ein gewöhnlicher junger Mann.

 Und es jagte ihn vor die Tür.

 Da war der Mond traurig. Und er war müde.

Schließlich war es sehr mühsam gewesen,

vom Himmel herabzusteigen.

 Und auch das Verwandeln hatte ihn angestrengt.

Und als er wieder zum Himmel hoch steigen wollte,

 da merkte er, das es nicht ging.

So suchte er sich eine passende Schlafstätte

 und ruhte sich aus.

 Das Mädchen aber wartete diesen Abend vergeblich.

 Kein Mond war zu sehen. Nicht ein Lichtstrahl

fiel durch die pechschwarze Nacht, kein Schimmer.

 Auch am nächsten Abend wartete das Mädchen.

 Es stand am Fenster und schaute so angestrengt

 zum Himmel, das seine Augen schmerzten.

Doch alles war wie am Abend zuvor.

Da wurde es sehnsüchtig und weinte.

Bald aber wurde es auch wütend

und wünschte sich den Tag herbei.

 Auf ihn war zumindest Verlass.

Der Mond hatte sich mitlerweile etwas ausgeruht,

 und stieg zum Himmel empor. Doch durch

die viele Anstrengung, war er sehr dünn geworden,

 und er hatte einen krummen Rücken bekommen.

Oben am Himmel erholte er sich aber wieder prächtig

und nahm Nacht für Nacht zu,

während er die Erde betrachtete.

 Als er wieder kugelrund und bei bester laune war,

 hörte er abermals das Mädchen,

 wie es sich den Mond wünschte.

Und auch dieses Mal stieg er herab,

 langsam und ohne Hast. Auf der Erde angekommen,

 überlegte er sich lange,

in was er sich heute verwandeln könnte,

um dem Mädchen zu gefallen. Gegen ein weißes

 Pferd wird sie wohl nichts auszusetzen haben,

 dachte er. Unter großer Anstrengung verwandelte er

sich in einen weißen Hengs

 mit wilder Mähne.

 " Wenn ich mir ein Pferd gewünscht hätte,

 würde ich mich über Dich freuen,"

 sagte das Mädchen als das Pferd an seine Tür klopfte.

Es tat ihm ein wenig leid, daß es

 den Schimmel wegschicken mußte.

" Aber was fange ich denn mit einem Pferd an?"

seufzte es. Und der in einen Schimmel verwandelte

 Mond seufzte auch, traurig wollte

 er wieder zum Himmel hochsteigen.

Wie auch beim letzten Mal mußte er sich

aber vorher ein wenig ausruhen,

abnehmen und einen krummen Rücken bekommen,

 bevor er die Rückreise antreten konnte.

Als er das alles hinter sich gebracht hatte,

 und wieder prächtig erholt vom Himmel lachte,

 erhielt die Nacht ihren strahlenden Glanz zurück.

 Da hörte er schon wieder das Mädchen,

das am Fenster stand und sich den Mond wünschte.

 Also stieg er ein 3. Mal vom Himmel herab

und trat jetzt ohne jede Verkleidung vor das Mädchen,

 einfach so wie er war.

"Ich bin mal dick und mal dünn,"

sagte der Mond etwas schüchtern,

" mal bin ich da mal nicht!"

 "Und ich habe mir Dich so gewünscht,"

antwortete das Mädchen,

" gerade weil Du so bist wie Du bist."

 Da war der Mond froh. Als sie sich umarmten,

 da mußte er lachen, weil er sich so unnötig

 angetrengt hatte. Und er dachte,

 wie recht das Mädchen hat:

 Denn Alles und Nichts ist von Dauer.

-ENDE- 



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